Zurück aus Taizé - einige Eindrücke August 8, 2008

Sercy, Bourgogne

Sercy, Bourgogne

Habe ja kurz erwähnt, dass wir letzte Woche überraschend nach Taizé gefahren sind um dort ein paar Tage zu verbringen. War das erste mal dort, und ich war dann doch sehr gespannt, wie’s werden würde.

Nun also hier ein kleines Feedback - für alle, die’s interessiert:

Persönlich

Die Zeit gemeinsam mit Felix tat unheimlich gut. Wir funken in mancher Hinsicht auf gleicher Wellenlänge, und ich habe gemerkt, wie mir echte “Männergspräche” in den letzten Jahren etwas fehlen. Entsprechend angenehm war die (dadurch) recht kurze Autofahrt, die gemeinsamem Mahlzeiten, das Campen und auch die Gebetszeiten in der Kirche in Taizé.

Neben gutem Wein und Käse nehme ich viele Eindrücke aus dem wunderschönen und malerischen Burgund mit nach Hause: Cluny, Buxy, und die Weinberge in der Gegend. Ein Traum!!! Die Gegend könnte eine Wahlheimat sein.

Äußerlich

Ich wurde durch die Atmosphäre und die vielen jungen Leute manches mal an eines der großen deutschen Pfingstjugendtreffen erinnert (Aidlingen, Dynamis,…). Anders kommt hier die Internationalität hinzu. Das macht den Besuch in Taizé zu etwas besonderem. Das Gelände ist wohl für bis zu 8000 Leute ausgelegt; allerdings bezweifle ich, dass dann alle in der Kirche Platz haben.

Die Kirche ist der zentrale Ort, zu dem drei mal täglich zum Gebet geläutet wird. Das nehmen viele in Anspruch; darüber hinaus auch Abends das Gespräch mit einem der Brüder oder die Partyecke “Oyak” in der es ein herrlich-süffiges Kronenbourg gibt; allerdings ist Punkt 23.30 Uhr Schluss.

Die Tatsache, dass die Brüder einen großen Teil ihres (geistlichen) Lebens den jungen Menschen zur Verfügung stellen und dabei sicherlich so manches aushalten (Lärm, Frechheiten, Ansprüche, Kritik…) veranlaßte mich zu großem Respekt. Ebenso vor den Dorfbewohnern in Taizé, die mit Sicherheit so manches als Belästigung empfinden könnten (besonders im Sommer).

Das Essen war knapp und wesentlich; viele der besucher halfen mit. Hier ist auch ein Problem, das aber in der Offenheit der Einrichtung selbst liegt: man kann sich durch die Tage hindurchschleusen, ohne dass dabei Kenntniss von einem genommen wird. Entsprechend kann man sich manchem Entziehen. Wiederum macht dies deutlich, wie sehr die Brüder auf die Eigenmotivation der Besucher bauen und vertrauen.

Das übrige ist gut und effektiv bis ins Detail durchdacht und geplant. Dabei wirkt Taizé nicht kommerziell, was nicht zuletzt an den relativ niedrigen Tagesgebühren liegt.

Inhaltlich

Theologisch und liturgisch ließe sich so manches sagen; vieles ist Gewöhnungssache bzw. eine Frage der kirchlichen Sozialisation. Ich finde, dass man trotz ökumenischer Ausrichtung einen katholischen Schwerpunkt erkennen kann (Eucharistie, Gottesdienstform, Besucherschwerpunkt Ostblock…). Das macht sich aber nicht in einer Praxis der Ausgrenzung deutlich, sondern alle und jeder sind ohne Prüfung und Ausweis willkommen.

Diese Einstellung ist zu loben; aber natürlich nimmt man hier auch in Kauf, dass sich merkwürdige Gestalten (je älter, umso merkwürdiger :-) finden. Der Gipfel dieser Offenheit war mit Sicherheit der Anschlag auf Fère Roger im Jahr 2005.

Aber auch in theologischer Hinsicht wird durch diese Offenheit klar, dass die Kommunität von einem Menschenbild geprägt ist, dass sich in der Bibel nur zum Teil wiederfindet. Diese korreliert natürlich auch mit dem Gottesbild (”Gott kann nur Liebe sein”).

Auf einen ganz kleinen Nenner gebracht: Sünde und Sühne wird nicht thematisiert; die Auferstehung Christi wird als wesentlicher angesehen, und die Kraft des Heiligen Geistes (der in JEDEM Menschen sei - was ich bezweifle) muss schlicht entfaltet werden. Dann wird unser Leben “göttlicher” und das Miteinander in der Welt besser.

Das ist nicht vollständig, aber es zeigt die Punkte, an denen man weiter diskutieren sollte. Diese aber sehen die Brüder nicht als ihre Aufgabe, sondern sie wollen mit ihrem Schwerpunkt eine Lücke im Reich Gottes ausfüllen.

Hier würden mich Eure Gedanken und Erfahrungen interessieren!

Begegnungen

Zwei Begegnungen waren besonders nett:

  • Henry (ein alter “Schwerter-zu-Pflugscharen”-Kämpfer) fuhr zwei Wochen lang mit dem fahrrad von Thüringen nach Taizé - und das mit ganzen 2,50€ in der Tasche. Erstaunlich!
  • In Cluny entdeckten wir beim Mittagessen in einer sehr netten Brasserie Roberto Benigni (”Das Leben ist schön”). Zumindest waren wir uns ziemlich sicher, dass er das war.

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    6 Kommentare zu “Zurück aus Taizé - einige Eindrücke”

  1. Gloriadei August 12th, 2008 at 3:02 | #

    Hallo Johannes,
    bin erstaunt zu lesen, dass du in Taizè bei den Brüdern warst. ???
    Ich finde du hast das noch recht harmlos geschildert, das was vom Wort Gottes abweicht ist doch recht viel. Es ist für mich unbegreiflich, dass da immer noch soviel Menschen hinpilgern. Sie sind verblendet, viellicht suchend, denken, sie müssten was für tun, um sich den Himmel zu verdienen. Johannes, ich denke, den Weg hättest du dir sparen können, wärst lieber zum Ausspannen in eine andere christliche Freizeit gefahren, das wäre sicherlich aufbauender gewesen.
    Ob wir uns irgendwann mal zur Allianzkonferenz in Bad Blankenburg sehen werden? Da findest du Gottes Wort gut und richtig ausgelegt.So war es auch in diesem Jahr wieder.
    Liebe Grüße von
    gloriadei

  2. johannes.schwab August 12th, 2008 at 3:40 | #

    Na, Ulrike, da frag’ ich doch jetzt gleich mal direkt nach: warst Du denn schon mal dort?

  3. Gloriadei August 12th, 2008 at 4:29 | #

    Ich kenne das schon aus den 70 ger Jahren. Der Roger Schütz wurde sogar in die DDR gelassen. Er war mal in Leipzig. Habe Bücher darüber gelesen. Damals war ich noch nicht so weit im Glauben, um zu sehen wo die Ökumene hin will.
    Ich wäre damals wohl gern als Jugendliche hingereist- ging ja nicht aus der DDR. Heute habe ich mehr Möglichkeiten mich darüber zu informieren was da los ist. Ich würde da niemals hinfahren.
    Du hast ja einiges schon ganz richtig erkannt. Es ist ein Selbstläufer und nicht auf der Grundlage der Bibel.
    Liebe Grüße

  4. Lukas November 19th, 2008 at 2:49 | #

    Schwingt da versteckte Ironie mit? Hoffentlich, ansonsten bin ich entsetzt was “Gloriadei” geschrieben hat.
    Taizé ist fast das beste was der ökumenischen Bewegung passieren konnte, und hat den christlichen Kirchen gut getan.
    Wozu brauche ich die Bibel als Grundlage wenn ich den Christlichen Gedanken der Gemeinschaft und gegenseitiger Fürsorge und Barmherzigkeit, das füreinander Sorge tragen direkt mit anderen Jugendlichen leben kann? Was Sie da schreiben ist unfassbar, und ich habe Mitleid mit Ihnen das sie so denken, bzw. es nicht anders erleben durften. Ich denke mal das ihre Ablehnung auf einer mir nicht erschliessbaren Vorgeschichte beruht.

    In diesem Sinne, Gottes Segen
    Lukas

  5. johannes.schwab November 19th, 2008 at 3:46 | #

    Hallo Lukas, danke für Ihr Feedback! Schon lange warte ich darauf, dass zum Statement von Gloriadei jemand was sagt. Auch ich bin nicht ihrer Meinung, und finde Taizé im Großen und Ganzen sehr gut (was hoffentlich durch den Artikel etwas deutlich wurde).

    Gloriadei schreibt aus der Sicht eines Außenbetrachters, sprich: sie war selbst nie da. Deshalb hat die Aussage für mich auch nichts relevantes. Pauschalurteile (z.B. zur Ökumene u.a.) waren noch nie hilfreich. Wäre sie selbst dort gewesen, würde sie anders urteilen…

    Die biblische Grundlage finde ich hingegen schon wichtig; sie bildet - ob man will oder nicht - den Rahmen für alle kirchliche Aktion, und jeder Dienst muss sich daran messen lassen. Ansonsten wird’s leicht willkürlich, und sektiererischen Gedanken und Praktiken sind Tür und Tor geöffnet.

    Aus diesem Grund sehe ich Taizé als “ergänzungsbedürftig” im Sinne einer Schwerpunkttheologie, die einen besonderen Teil des Evangeliums betont. Aber genau darin liegt ja auch der Beitrag der Ökumene (die ich begrüße!!), und genau darin ist Taizé ein hervorragendes Beispiel für eine gelungene Umsetzung.

    Soweit mal von mir…

  6. Lukas November 20th, 2008 at 2:02 | #

    “”Es ist ein Selbstläufer und nicht auf der Grundlage der Bibel.”"

    “”Wozu brauche ich die Bibel als Grundlage wenn ich den Christlichen Gedanken der Gemeinschaft und gegenseitiger Fürsorge und Barmherzigkeit, das füreinander Sorge tragen direkt mit anderen Jugendlichen leben kann?”"

    Gut ich habe mich ein bisschen “schief” ausgedrückt. In Taizé finden jeden Tag unter Anleitung eines Bruders der Communauté eine kurze Bibeleinführung und eine anschliessende Diskussion des jeweiligen Inhalts. Das ist wichtig und in Ordnung. Die Regeln des gemeinsamen Zusammenlebens werden in Taizé geübt und gelebt(so wie Jesus im NT)
    Ich habe Gloriadei’s Aussage so aufgegriffen, dass sie Taizé als Modeerscheinung aufgreift und der Bewegung von Taizé jegliche Grundlage durch die Bibel abgesprochen hat…für mich kommt es halt so rüber, dass sie alles mit einem frommen Psalm belegt haben will.
    Bevor ich mich jetzt noch weiter verhaspel höre ich an der Stelle mal auf, ich hoffe meine Aussage ist nun einigermaßen verstanden worden^^ :).


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Dieser Eintrag wurde geschrieben am Freitag, August 8th, 2008 um 1:39 . Sie können der Diskussion folgen mit dem RSS 2.0 Feed. Wenn Sie sich fragen, woher die Icons neben manchen Kommentaren stammen, besuchen Sie gravatar.com und erstellen Sie Ihren eigenen Gravatar.
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